Hochwasserschutz am Langenwiesbach, Stadt Schrobenhausen

Bei Hochwasserführung des Langenwiesbachs bestand für große Bereiche der Bebauung westlich und nördlich des Stadtzentrums von Schrobenhausen eine Überflutungsgefährdung. Zum Schutz vor Überflutungen wurde ein Hochwasserrückhaltebecken an Langenwiesbach errichtet.

Leistungen

  • Objektplanung in den Leistungsphasen 1-9
  • Hochwasserschutzkonzept mit hydrologischer Bemessung (N-A-Modell)
  • Hydraulische Nachweise Gewässer (zweidimensional)
  • Landschaftspflegerischer Begleitplan in den Leistungsphasen 1-5
  • Umweltvorprüfung
  • Stand­sicherheitsnachweise für das HRB
  • hydrogeologische Bearbeitung der Maßnahmen am Stadtwallgraben
  • örtliche Bauüberwachung und SiGeKo
Facts & Figures
Unternehmen

Dr. Blasy- Dr. Øverland Ingenieure GmbH

Fertigstellung

2012

Kompetenzbereich

Wasser + Umwelt

Bauart

Neubau

Gebäudeart

Hochwasserschutz

Ausgeführte Arbeiten

Objektplanung, Hochwasserschutzkonzept mit hydrologischer Bemessung, Hydraulische Nachweise Gewässer, Landschaftspflegerischer Begleitplan, Umweltvorprüfung, hydrogeologische Bearbeitung, Bauüberwachung, SiGeKo

Auftraggeber

Stadt Schrobenhausen

Bausumme

1,3 Millionen EUR

Projektbeschreibung

Zum Schutz vor Überflutungen wurde ein Hochwasserrückhaltebecken mit einem Volumen von 220.000 m³ errichtet. Dazu war der Bau eines 270 Meter langen, bis 3,55 Meter hohen Absperrdamms erforderlich. Über die Kombination von Betriebsauslass und Hochwasserentlastung erfolgt die Drosselung des Scheitelabflusses von 5,3 m³/s je nach Hochwasserereignis auf Werte zwischen 0,4 und 1,7 m³/s.

Im Stadtgebiet wurde der Langenwiesbach bis zur Realisierung der Hochwasserschutzmaßnahmen bereichsweise über zu klein dimensionierte Mischwasserkanäle abgeleitet. Das ist im Hinblick auf die Qualität der unterstrom liegenden Gewässer nicht zulässig, so dass ein neues Ableitungsgerinne zum Stadtwallgraben gebaut wurde. Außerdem wurde der bislang verrohrte Stadtwallgraben in ein naturnah gestaltetes Gewässer umgebaut. Die Gewässer wurden so ausgelegt, dass der Drossel­abfluss aus dem Hochwasserrückhaltebecken zuzüglich der unterstrom zufließenden Wasser­mengen sicher zur Paar abgeleitet werden kann.

Neben dem Hochwasserschutz wurde mit der Öffnung der Bachverrohrung auch eine ökologische und strukturelle Aufwertung des Stadtwallgrabens sowie die Erlebbarkeit eines offenen Fließgewässers im Stadtbild verfolgt. Wesentlicher Gesichtspunkt war dabei der Erhalt der alten Baumbestände am Stadtwall. Ein Erlebnisbereich «Wasser» wurde durch eine Bachaufweitung mit abgetrepptem Zugang im Bereich eines Kinderspielplatzes geschaffen. Über das neue Gewässer wurden mehrere Fußgängerstege errichtet.

Mit der Rückführung in einen offenen Bachlauf wurde ein typisches Element der mittelalterlichen Wallanlage wiederhergestellt und damit ein wesentlicher Beitrag zur denkmalpflegerischen Altstadtsanierung geleistet.

Ab Juli 2005 wurde eine Studie zum Hochwasserrückhalt am Langenwiesbach erstellt. Die im Einzugsgebiet zu erwartenden Hochwasserabflüsse wurden mit einem N-A-Modell ermittelt. Anschließend wurden Standorte für Hochwasserrückhaltebecken gesucht und deren Wirkung untersucht. Außerdem wurden Möglichkeiten für die Ableitung des Drosselabflusses aus den Hochwasserrückhaltebecken innerhalb des Stadtgebiets zur Paar untersucht. Mit diesen Grundlagen wurden Varianten für den Hochwasserschutz zusammengestellt und deren Kosten geschätzt. Die Leistungen der im März 2006 vorgelegten Studie entsprechen den Leistungsphasen 1-2.

Nach Abstimmung der Studie mit der Stadt Schrobenhausen und den Behörden erfolgte die Be­arbeitung der Entwurfs- und Genehmigungsplanung (Leistungsphasen 3-4). Wegen der sehr schwierigen Rand­bedingungen innerhalb des Stadtgebiets wurden zusätzlich zur normalen Objektplanung umfang­reiche hydrologische Untersuchungen zur Optimierung des Hochwasserrückhaltebeckens sowie zwei-dimensionale hydraulische Berechnungen zur Optimierung des gedrosselten Hochwasser­abflusses bearbeitet.

Im Rahmen der im August 2009 vorgelegten Planung wurden folgende Bauwerke geplant:

  • Absperrdamm als homogener Schüttdamm mit Erstellung der Standsicherheitsnachweise und hydrogeologischer Bearbeitung mit Dränage- und Entwässerungsleitungen zur Ableitung des Qualmwassers,
  • Betriebsauslass als Rohrdurchlass DN 1000 mit Schieberkammer für Plattenschieber zur Regelung des Drosselabflusses,
  • Zweiter Betriebsauslass zur gedrosselten Ableitung bei seltenen Ereignissen und zur Hochwasserentlastung als frei überströmbare Dammscharte,
  • Neuverlegung des Langenwiesbachs als Druckrohrleitung DN 1200 mit Ein- und Auslaufbereichen als offene, naturnah gestaltete Gerinne (400 m),
  • Öffnung der Verrohrung des Stadtwallgrabens und Umbau zu einem naturnah gestalteten offenen Gerinne auf einer Länge von 650 m mit 4 Fußgängerbrücken unter Berücksichtigung der kom­plexen Randbedingungen im innerstädtischen Bereich (alte z.T. denkmalgeschützte Bebauung, wertvoller Baumbestand, komplizierte Grundwasserverhältnisse).

Die Bauwerke wurden im Zuge der Objektplanung konstruktiv und zeichnerisch bearbeitet. Außerdem erfolgte die Planung der erforderlichen technischen Ausrüstung des Hochwasserrückhalte­beckens, die Erstellung aller hydraulischen Berechnungen und Nachweise, die Kostenberechnung sowie die Erstellung von Grunderwerbsplänen.

Zur Vorlage vollständiger Unterlagen im wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren wurden außerdem folgende Leistungen erbracht:

  • Landschaftspflegerischer Begleitplan für das Hochwasserrückhaltebecken, den Ausbau des Langenwiesbachs und die Öffnung des Stadtwallgrabens
  • Umweltvorprüfung (Allgemeine Vorprüfung des Einzelfalls zur UVP-Pflicht) mit Beschreibung und Bewertung des derzeitigen Umweltzustands, der Wirkfaktoren des Vorhabens und der Auswirkungen des Vorhabens auf die im UVP-Gesetz genannten Schutzgüter.

Nach der Genehmigung der Planung wurde die Ausführungsplanung erstellt und abschnittsweise für die einzelnen Maßnahmen vorgelegt. Parallel dazu erfolgte die Erstellung der Leistungsverzeich­nisse, so dass die Baumaßnahmen in einzelnen Losen umgehend ausgeschrieben werden konnten. Die Vergabe der Lose erfolgte zwischen September und Dezember 2010.

Nach einer Bauzeit von etwa einem Jahr konnten die Anlagen im Januar 2012 in Betrieb genommen werden.

Impressionen