Nachhaltige, lebenswerte Städte

Prof. Dr.- Ing. Annette Bögle ist Teil des wissenschaftlichen Beirates im Innovation Center von BKW Engineering. In ihrer Kolumne spricht sie über die Überhitzung der Städte.

Digitalisierung und Klimawandel sind aus meiner Sicht die beiden grössten Herausforderungen unserer Zeit, sie gehen Hand in Hand und sind viel mehr als nur Trendthemen. Wir müssen uns bewusst machen, welche Auswirkungen unser Handeln hat. Das gilt auch und ganz besonders für alle Disziplinen des Bauens. Welche Baustoffe und Bauweisen haben welchen ökologischen Fingerabdruck, gibt es Alternativen und was sind Auslaufmodelle? Aus meiner Sicht muss hier ein Paradigmenwechsel stattfinden. Dazu müssen sich Disziplinen wie Bauingenieurwesen, Architektur, Gebäudetechnik, Landschaftsplanung, Umwelttechnik und Stadtplanung viel stärker und viel früher vernetzen.

Wir stehen bereits vor akuten Herausforderungen, diese zeigen sich beispielsweise in der Überhitzung unserer Städte und der Zunahme von Extremwetterereignissen bei gleichzeitig geringen Regenwasserrückhalt und Versickerungsmöglichkeiten insbesondere in den Städten. Zusätzlich nimmt der Temperaturunterschied zwischen Stadt und Land zu, Hitzestauungen in der Stadt und eine hohe Luftschadstoffbelastung sind die Regel. Völlig zu Recht fordert die «Friday-for-Future-Bewegung» deshalb konkretes Handeln ein. Doch Politik alleine kann die anstehenden Herausforderungen nicht meistern. Dies erfordert ein Umdenken in allen Bereichen des Lebens und Arbeitens. Der Bausektor steht hier besonders in der Verantwortung.

Ein vielversprechender Ansatz zur Verbesserung des Stadtklimas stellt die Begrünung der Stadt dar. Dies umfasst mehr als nur Fassadengrün oder grüne Dächer, sondern auch den Rückbau von versiegelten Flächen und die Entwicklung von grünen Achsen und Flächen im gesamten Stadtvolumen. Ein optimierter Energie- und Wasserhaushalt, weniger Lärm, Biodiversität und saubere Luft sollten dabei unsere Ziele für eine lebenswerte Stadt sein. Dabei gilt, dass mit diesem ganzheitlichen Ansatz auch eine gestalterisch ansprechend bebaute Umwelt einhergeht. Die erforderlichen Kooperationen der verschiedenen beteiligten Disziplinen und der Einbezug der Nutzenden wird zudem durch die Möglichkeiten digitaler Werkzeuge befördert. Wir haben die nötigen Werkzeuge und Kompetenzen für die Gestaltung nachhaltiger Städte, wir müssen es nur tun.

«Ein vielversprechender Ansatz zur Verbesserung des Stadtklimas stellt die Begrünung der Stadt dar.»

Prof. Dr.- Ing. Annette Bögle ist Teil des wissenschaftlichen Beirates im Innovation Center von BKW Engineering. Sie promovierte im Bereich Bauingenieurwesen in Stuttgart und ist seit 2011 Professorin für Entwurf und Analyse von Tragwerken an der Hafencity Universität Hamburg.

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Kommentare (1)

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  • Hallo

    Ich frage mich vor allem, meines Wissens lässt man das Regenwasser (zumindest mehrheitlich) ungenutzt abfliessen und nutzt dann für die Berieselung der Grünflächen, die Strassenreinigung usw., das kostbarere Trinkwasser? Oder liege ich da falsch?

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