Hoch hinaus mit Holz

Mit 73 Metern Höhe und 21 Stockwerken ist HAUT eines der höchsten Holzhochhäuser der Welt. ASSMANN BERATEN + PLANEN GmbH, aus dem BKW Engineering Netzwerk, hat das Projekt mitverantwortet.

Ob London, Berlin, Mailand oder Wien: Seit etwa einem Jahrzehnt wohnen, arbeiten oder lernen die Menschen wieder vermehrt in neuen Holzgebäuden. Und Amsterdam bildet dabei keine Ausnahme. Mit 73 Metern und 21 Stockwerken ist HAUT, so der Projektname, das höchste Holzhochhaus der Niederlande. HAUT bezieht sich dabei nicht auf die französische Übersetzung von hoch – was durchaus auch passen würde –, sondern ist angelehnt an das holländische Wort «hout», was so viel wie «Holz» heisst.

Im Februar 2022 wurden die Apartments an die Eigentümerinnen und Eigentümer übergeben. Die 50 luxuriösen Wohnungen und die zwei Penthouses mit ihren hohen Decken und mit einer Größe von bis zu 225 Quadratmetern sind dank raumhoher Fenster allesamt lichtdurchflutet und bieten einen wunderbaren Ausblick auf den Fluss Amstel, den Yachthafen Stadshaven Amstelkwartier und den Park Somerlust. Für die Sportlichen befindet sich im Erdgeschoss der Health & Performance Club «Great». Im Untergeschoss sind in der Tiefgarage Ladestationen für Elektroautos installiert.

Dankbar für das Vertrauen

Entworfen hat das spektakuläre und innovative Gebäude das Team V Architects. Das Bauunternehmen J.P van Eesteren verantwortete den Bau. Und mittendrin statt nur dabei: Die ASSMANN BERATEN + PLANEN GmbH, die seit 2017 zum Netzwerk von BKW Engineering gehört.

ASSMANN hat die Tragwerksplanung Holzbau sowie die ingenieurtechnische Begleitung der Baustelle in enger Zusammenarbeit mit dem Holzbauunternehmen Brüninghoff und dem österreichischen Planungsbüro RWT+ verantwortet. «Wir sind sehr dankbar für das Vertrauen, das uns der Auftraggeber entgegenbrachte», sagt Andreas Wemmer, Projektleiter Holzbauplanung bei ASSMANN. Er freue sich, dass sein Team, zu dem unter anderem Henning Klattenhoff (Fachbereichsleiter Holzbauplanung) gehörte, ein solches Projekt erfolgreich habe bearbeiten dürfen. Immerhin gebe es weltweit nur wenig vergleichbare Projekte.

73 Meter, 21 Stockwerke - das ist HAUT in Amsterdam. ©Jannes Linders
««Es erfüllt mich auch mit ein wenig Stolz, maßgeblich ein solches Leuchtturmprojekt planerisch begleitet zu haben.»»
Andreas Wemmer, Projektleiter Holzbauplanung bei der ASSMANN BERATEN + PLANEN GmbH

2.800 Kubikmeter Holz verbaut

HAUT Amsterdam, es wird auch als Haute-Couture-Gebäude der niederländischen Hauptstadt bezeichnet, hat aber mehr zu bieten als eine ansehnliche Fassade und eine schöne Aussicht. Lediglich für Fundament, Keller und Kern des Gebäudes wurde Beton oder Stahlbeton verbaut, das Tragwerk besteht zu einem großen Teil aus Brettsperrholzwänden. Die Decken wurden in Holz-Beton-Verbundbauweise ausgeführt.

Das verwendete Holz stammt aus nachhaltig bewirtschafteten europäischen Wäldern und speichert in seiner Gesamtheit etwa drei Millionen Kilogramm Kohlendioxid. Dies war auch eine Vorgabe der Stadt Amsterdam. Nachhaltigkeitsaspekte hatten in der Bewertung des Architekturwettbewerbs für das Projekt einen hohen Stellenwert. Entsprechend hatten massive Holzelemente Vorrang vor anderen Baumaterialien. Das Ergebnis: Insgesamt besteht HAUT aus 2.800 Kubikmeter Holz. Das entspricht etwa dem Rauminhalt eines olympischen Schwimmbeckens.

©Jannes Linders

Zahlreiche Herausforderungen

Die Aufgaben von ASSMANN waren mannigfaltig. «Wir haben frühzeitig in der Startphase des Projektes das Designteam und den Bauherren zusammen mit einem deutschen Holzbauunternehmer beraten», erklärt Wemmer. «Danach hat der Fachbereich Holzbauplanung die Tragwerksplanung in den Leistungsphasen 4 und 5 – also der Genehmigungs- und Detailstatik – für die vertikalen Bauteile des Hochbaus, das Sockelgeschoss und das Stahldach im Auftrag des deutschen Holzbauunternehmers Brüninghoff bearbeitet.»

Andreas Wemmer berichtet von zahlreichen Herausforderungen, welche ein solches CO2-neutrales Holz-Hybrid-Hochhaus an alle Beteiligten stellte. «Die Anforderungen aus der Robustheit für das Holztragwerk wie etwa das Versagen einzelner Tragelemente bei gleichzeitiger Vermeidung von einem ganzheitlichen Kollaps der Tragstruktur waren nicht alltäglich.» Auch das Zusammenspiel und die Kommunikation mit diversen Fachplanern über die Ländergrenzen hinaus inklusive Sprachbarrieren und Abweichungen in den Normungen sei nicht immer einfach gewesen.

Bei der Planung stellten sich außerdem etliche Fragen: Hält die Laminierung der Hölzer im Brandfall? Wie können Lufteinschlüsse in den Mörtelfugen nachträglich beurteilt werden? Und: Wie steht es eigentlich um eine mögliche Gefährdung durch den gemeinen Holzwurm? «Holzhochhausplanung erfordert nicht nur Erfahrung, sondern manchmal auch Tapferkeit und Ausdauer», sagt Wemmer hierzu. Diese Ausdauer hat ASSMANN an den Tag gelegt. Herauasgekommen ist eine neue architektonische Ikone in der niederländischen Metropole Amsterdam.

© Jannes Linders
Facts & Figures
Standort

Amstelkwartier, Amsterdam, NL.

Kennzahlen

Höhe: 73 Meter, Stockwerke: 21, Wohnungen: 52, BGF: 14.500 m²

Baustart

2016

Fertigstellung

2021

Auftraggeber

Lingotto

Design-Team

Team V, Arup Niederlande

Hauptunternehmer

J.P Van Eesteren

Nachunternehmer Holzbau

Brüninghoff

Beratung und Holzbauplanung

ASSMANN BERATEN + PLANEN GmbH, RWT+

Awards

Shortlisted für WAF Awards 2018; 2018: International BREEAM Award

Käuferinnen und Käufer gestalteten die Wohnungen selbst

Neben der natürlichen Wärme, die ein Holzbau mit sich bringt, bietet er auch einen hohen Vorfertigungsgrad der Bauteile und die Möglichkeit zur Individualisierung. So kann der Bau seinem Namen, der sich nicht nur vom niederländischen Wort haut (=Holz), sondern auch vom Modebegriff der «Haute Couture» ableitet, gerecht werden. Die Käuferinnen und Käufer der Wohnungen konnten in einer massgeschneiderten «Haute Architecture» bei der Gestaltung ihrer Apartments aktiv mitwirken und etwa über Größe, Anzahl der Etagen, Layout, sowie die Anordnung von Balkonen und Loggien entscheiden. Die wie zufällig angeordneten freitragenden Balkone mit ihren Holzdecken und großen Vorsprüngen an den scharfen Gebäudekanten machen das unverwechselbare Design der neuen Wohn-Ikone Amsterdams aus. Ohne tragende Fassadenelemente war eine offene, transparente Fassadengestaltung möglich. Die raumhohen Fenster bieten dabei aussergewöhnliche Ausblicke auf die Amstel zwischen Oud-Zuid und Watergraafsmeer.

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