Wieviel drinnen braucht das Draußen?

Was macht den idealen Arbeitsplatz aus? Eine Ingenieurin und ein Ingenieur unterhalten sich über ihre Arbeit, Spaziergänge mit dem Hund, Biergärten und die Wichtigkeit von Kolleginnen und Kollegen.

Raus an die frische Luft oder lieber im warmen Büro, wenn es draussen stürmt und schneit? Wie sieht Ihr idealer Arbeitsplatz aus?

Ilona Gallitzdörfer: Eines ist in den letzten beiden Jahren ganz offensichtlich geworden: Der Arbeitsplatz ist nicht mehr an einen fixen Ort gebunden. Warum nicht mal seine E-Mails auf der Terrasse in der Sonne sitzend beantworten? Für mich persönlich macht den idealen Arbeitsplatz aber etwas anderes aus: dass auch mein Team da ist. Der direkte Austausch ist einfach durch nichts zu ersetzen.

Oliver Häusler: Da stimme ich dir zu, Ilona. Ohne Kolleginnen und Kollegen ist auch der schönste Arbeitsplatz nicht viel wert. Für eine ideale Arbeitsumgebung ist meiner Meinung nach aber auch die Abwechslung wichtig. Ich zum Beispiel bin den größten Teil des Tages draußen bei unseren Kundinnen und Kunden, am späten Nachmittag aber immer wieder mal im Büro. Also von allem etwas.

Gibt es eurer Meinung nach einen Gewöhnungseffekt? Hat man weniger Lust auf Natur, wenn man ohnehin den ganzen Tag draußen ist, und hält einen nichts mehr drinnen, wenn man die meiste Zeit am Schreibtisch verbringt?

Häusler: (lacht) Die Frage stellt sich bei mir gar nicht. Ich habe einen Hund, und der würde streiken, wenn ich keine Lust mehr aufs Rausgehen hätte. Aber auch ohne Hund stimmt das für mich nicht – im Gegenteil: Ich habe eher Probleme damit, wenn ich zu lange drinnen sein muss.

Gallitzdörfer: Wenn ich an einem richtig schönen Sommertag acht Stunden im Büro verbracht habe, ist es natürlich eine willkommene Abwechslung, den Abend im Biergarten oder am See ausklingen zu lassen. Aber ganz ehrlich: Das wäre es auch, wenn ich meinen Arbeitsplatz im Freien hätte (lacht). Freizeitgestaltung ist doch etwas anderes und hat nichts mit der Arbeit zu tun.

 

 

Ilona Gallitzdörfer, stehend vor ihrem Schreibtisch
Ilona Gallitzdörfer, Ranner Projektmanagement GmbH

Wie wichtig ist denn die Zusammenarbeit zwischen «drinnen» und «draußen» und welche Hürden müssen Sie dabei in Ihrer täglichen Arbeit überwinden?

Häusler: Also bei meiner Arbeit ist ganz klar die Vorbereitung das A und O. Wenn ich die Vorarbeiten im Büro nicht sauber erledige, kann ich auch unterwegs nicht gut arbeiten. Die Kolleginnen und Kollegen aus meinem Team können mir draussen nur bedingt helfen – zum Beispiel bei Softwareproblemen. Für alles andere bin ich selbst verantwortlich.

Gallitzdörfer: Das Wichtigste bei uns ist, dass «drinnen» weiss, was «draussen» benötigt wird, und «draussen» weiss, wie «drinnen» arbeitet. Bei den vielen Schnittstellen müssen die Kommunikation und der Informationsaustausch reibungslos funktionieren. Das gehört bei jeder Projektarbeit dazu. Wir arbeiten im Büro nicht alleine vor uns hin, sondern machen unseren Job dann erfolgreich, wenn alle Beteiligten das Projekt gemeinsam auf Kurs halten.

Häusler: Dem kann ich nur zustimmen. Es läuft nur mit guter Teamarbeit – vor allem an den Schnittstellen.

Was würden Sie am meisten vermissen, wenn Sie nur noch unterwegs bzw. nur noch im Büro arbeiten könnten?

Häusler: Die Arbeit würde ich vermissen (lacht)! Wenn ich draußen unterwegs bin, hole ich ja die Arbeit rein. Aber auch wenn dem nicht so wäre, ich glaube, ich könnte nicht fünf Tage die Woche im Büro arbeiten, vor allem nicht im Sommer oder Herbst, wenn die Tage lang und warm sind.

Gallitzdörfer: Ich könnte es mir auch vorstellen, draußen in einem Projektteam vor Ort zu arbeiten. Neben der Abwechslung hat das auch den Vorteil der kurzen Wege zwischen den Beteiligten. Aber den Arbeitsplatz im Büro würde ich doch sehr vermissen – allein schon wegen meines tollen Teams.

Oliver Häusler, stehend an ein Regal gelehnt mit Unterlagen in der Hand
Oliver Häusler, OSTAG Ingenieure AG

Oliver Häusler

Oliver Häusler arbeitet seit Februar 2021 im Fachbereich Siedlungswasserwirtschaft der OSTAG Ingenieure AG. Er wohnt im Berner Seeland und verbringt seine Freizeit am liebsten mit Kamera und Hund.

«Es läuft nur mit guter Teamarbeit – vor allem an den Schnittstellen.»

Ilona Gallitzdörfer

Ilona Gallitzdörfer hat Architektur an der TU München studiert und ist seit 2008 bei der Ranner Projektmanagement GmbH beschäftigt. Sie lebt in München und geniesst in ihrer Freizeit die Nähe zu den Bergen und umliegenden Seen.

«Der direkte Austausch ist durch nichts zu ersetzen. »

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